Etappen der Anfertigung einer Musikdose


 
 

Eine Musikdose ist ein sehr vielseitiger Gegenstand, der mehrere Anfertigungsetappen, sowie Handwerker mit verschiedenem unvergleichlichem Können erfordert.

Herstellung:

Die Bodenplatten aus Messing  werden mit numerisch bedienten Maschinen hergestellt.

Stanzen:

Mehrere Stanzmaschinen fabrizieren aus verschiedenen Rohstoffen, wie Messing oder Stahl, die mechanischen Teile des Musikwerks.

Stimmkamm:

Der Stimmkamm, aus Stahl, wird zuerst gerichtet und dann gesägt (Zähne). Dazu werden Maschinen benutzt, die von der Firma Reuge entworfen, entwickelt und fabriziert worden sind.

Danach wird der Stimmkamm erhitzt und in kaltes Öl eingetaucht, was einen thermischen Schock verursacht. Diese Operation wird noch zwei Mal wiederholt: ein erstes Mal (bei niedriger Temperatur), damit er sich verhärtet, und ein zweites Mal (bei höherer Temperatur) damit er biegsam wird. Der Stimmkamm erhält dadurch seine richtige Härte und bestmögliche Klangfülle. Temperaturen und Dauer der Bäder sind Fabrikationsgeheimnisse, die dem Stimmkamm seine unvergleichliche Qualität geben.

Blei wird dann unter jene Zähne gelötet, die die tiefen Töne erzeugen sollen.

Danach wird der Stimmkamm abgestimmt: nur die notwendigen Noten werden ihm zugeteilt, nicht wie bei einem Klavier, wo alle Noten zur Verfügung stehen. Diese Etappe ist computergesteuert: die Maschine lässt jeden Zahn erklingen, und vergleicht die Frequenz der Vibrationen mit der der erwünschten Note. Sie steuert einen Schleifstein, der die Zähne bis zur richtigen Note korrigiert.

Schlussendlich werden synthetische Federn unter jene Zähne geklebt, die tiefe Töne erzeugen sollen, um die Vibrationen zu dämpfen, und so einen perfekten Ton herzugeben. Früher wurden echte Hühnerfedern dazu benutzt.

Übertragung der Partitur:

Um ein Musikwerk herzustellen geht man von einer Klavierpartitur aus. Der Arrangeur sucht eine Melodie aus, die schnell erkennbar ist, muss aber dabei  die Grösse des Werkes beachten. Die Partitur wird dann zu einem Computerfile umgeschrieben.

Die Walze, oder Zylinder:

Der Zylinder aus Messing wird von Maschinen mit feinen Löchern versehen. Man nennt diese Etappe "piquage”. Dann werden die Stifte, Stahlfäden von 0.25mm Durchmesser, in die Löcher eingesetzt. Dieser Arbeitsvorgang  wird "goupillage" gennant.

Das der Melodie entsprechende Computerfile wird in die Maschinen eingegeben, und beinflusst so die Positionierungen der Stifte auf dem Zylinder. Früher wurde diese Etappe handgefertigt.

Jeder Zylinder wird visuell kontrolliert: man prüft, ob alle Stifte vorhanden und gerade eingesetzt sind. Mit einem kleinen Werkzeug, "poussette" genannt, setzt man fehlende Stifte ein, oder richtet sie wieder gerade auf.

Die bestifteten Zylinder werden dann mit Wachs gefüllt; ein weiteres Fabrikationsgeheimnis, dies hält die Stifte aufrecht und verbessert die Klangqualität. Die Zusammensetzung des Wachs ist ein weiteres Betriebsgeheimnis.


Anschliessend werden auf beiden Seiten Stöpsel angebracht, die mit einer Achse verbunden sind. Der Zylinder dreht sich um diese Achse.

Schlussendlich werden die Stifte auf einer automatisch gesteuerten Maschine ausgeglichen. Diese Operation nennt man  "frisage". 

Fixieren:

Zum ersten Mal während der gesamten Anfertigung des Musikwerks kann man bei dieser Etappe die Melodie hören.

Der « fixeur » setzt alle mechanischen Teile, die das Musikwerk bilden, auf der Bodenplatte zusammen. Während der letzten Etappe, wird der Stimmkamm so präzise fixiert, dass er sich genau gegenüber den Stiften befindet (nicht zu nah und nicht zu weit entfernt). Hier wird auch die Qualität des fertigen Werkes kontrolliert. Man braucht dafür ein musikalisches Ohr und eine erstklassiges Auge.

Anpassung:

Das Werk wird dann in eine Dose eingebaut. Diese besteht meistens aus edlen Hölzern und feinen Intarsien.

Holzarten und Intarsien:

Die besten Kunsttischler aus der Schweiz und Italien werden für die Kreation der Holzdosen ausgewählt. Ihrer Handwerkskunst treu, bringen sie die Musikwerke von Reuge perfekt zur Geltung.  Die verschiedensten Holzarten, die aus der ganzen Welt stammen, werden getrocknet, zusammengesetzt,  lackiert, und zu wunderschönen Dosen verarbeitet.  Der Dosenboden dient als Lautsprecher des Spielwerks.

Die Füsse bilden genug Raum, um die Tonwellen durchzulassen. Die Schwierigkeit besteht darin, einen genügend dünnen Boden herzustellen, der gut vibriert, aber dick und kräftig genug ist, um das Gewicht des Musikwerks auszuhalten.

Die Einlegearbeiten (Intarsien) werden von Hand gefertigt. Mehr als 100 verschiedene Holzarten können gebraucht werden. Nach dem Ausschneiden werden die Teile auf einem Papierblatt zusammengesetzt und auf die Dose geklebt. Durch Polieren wird das Papier entfernt.

 

 
 
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